Die Abreise
18:33 Uhr - Der Kampf beginnt. Die vor wenigen Minuten ausgetüftelte Strategie war bei allen dieselbe: Direkt vor der Bustür positionieren, lossprinten, sobald sie sich öffnet, und wenn nötig die Rivalen an ihren Rucksäcken zurückzerren. Rucksack über die Sitze werfen, drängeln, schubsen, stolpern: Alles war erlaubt. Am Abend des 30. September 2025 zählte nur eine Mission: den perfekten Sitzplatz erobern.
Natürlich konnte das nicht jedem gelingen. Doch die Aufregung legte sich schnell, spätestens beim „Joris Heyer ist ne Frau“-Song und der Ankündigung eines McDonald’s-Stopps innerhalb der nächsten Stunden. Die Stimmung kippte ins Positive und die Rückfahrt konnte um 19 Uhr mit viel Elan beginnen.
Dieser Elan allerdings hielt nicht lange an.
23:31 Uhr - Der Anblick des goldenen M’s ließ unsere Herzen genauso hell leuchten wie das M selbst. Doch nur für den Bruchteil einer Sekunde… dann rollte der Bus einfach vorbei.
Verleugnung, Wut, Verhandlung, Depression, Akzeptanz.
Wir durchliefen in Sekunden die fünf Phasen der Trauer. Nur der letzte Schritt blieb aus. Denn mit knurrenden Mägen war Akzeptanz schlicht unmöglich. Hilflos fuhren wir weiter in die Nacht hinein. Unsere letzte Hoffnung: Linas legendärer bayrischer 24/7-McDonald’s, drei Stunden entfernt.
Doch das Vertrauen in die Busfahrer war längst erschüttert. Kaum waren die ersten Fantasien vom 24/7-Mecces geboren, kamen auch schon Zweifel. Was, wenn sie uns wieder daran vorbeifahren und stattdessen bei einem Autogrill halten würden? Erste Revoltepläne machten die Runde.
Als Notlösung hielten wir schließlich an einer Tankstelle. Manche vertraten sich die Beine, andere durchstöberten das kuriose Sortiment: Malbücher, Sonnenbrillen und sogar eine 3000-Euro-Giraffenstatue. Doch kaum hatte Herr Janzhoff voller Elan gerufen: „Los Leute, je schneller wir wieder im Bus sind, desto schneller sind wir bei McDonald’s!“, stiegen alle wieder ein.
Um 2:54 Uhr dann die nächste Abfahrt - diesmal Richtung Rasthof mit dem ersehnten McDonald’s. Die ersten rannten voller Vorfreude voraus. Doch die Ernüchterung kam sofort: „Rund um die Uhr geöffnet“ bedeutet in Bayern offenbar „Joa, wenn ihr Glück habt“. Wir hatten keins. Gebrochen kehrten wir in den Bus zurück.
Die folgenden Stunden verliefen stiller. Zu müde für weitere Revolten, zu hungrig zum Schlafen, glitten wir in einen endlosen Kreis aus Hoffnung und Enttäuschung.
Gegen 6 Uhr herrschte Totenstille. Im Bus war nur noch das Umklappen von Tischchen und das Rauschen des Gegenverkehrs zu hören. Die meisten versuchten, trotz des engen Platzes eine halbwegs bequeme Schlafposition zu finden, die nicht mit einem steifen Nacken enden würde. Gespräche gab es keine mehr, selbst „Joris Heyer ist eine Frau“ war längst verstummt.
Rechts von uns stieg langsam die Sonne empor, tauchte den Bus in rötlich-oranges Licht. So schön der Anblick auch war, eine Frage blieb: Wann kommen wir endlich bei einem McDonald’s an?
Leise Seufzer waren zu hören, manchmal gefolgt von einem gemurmelten: „Ein Frühstückswrap würde jetzt so schallern, ne.“
Und dann erschien es: wie eine Fata Morgana in der Ferne. Das goldene M. Das Objekt unserer Begierde. So mancher schlaftrunkener Mitschüler schreckt hoch, angespornt von den News. Ob er offen hat? Oder nicht? Zwei Lager bildeten sich: die Optimisten, die felsenfest überzeugt waren, dass er offen sei, und die Pessimisten, die sofort das Gegenteil behaupteten.
Die Bustüren öffneten sich. Einige sprinteten los, andere torkelten verschlafen hinterher. Zuerst war der Eingang schwer zu finden, doch dann die Erlösung: Er hatte geöffnet.
So mancher Luftsprung wurde gemacht. „Das achte Weltwunder wurde erreicht“, hauchte eine Mitschülerin ehrfürchtig. Schlagartig kippte die Stimmung ins Positive.
45 Bestellungen prasselten gleichzeitig auf das Terminal ein, der Mitarbeiter hinter der Theke hetzte unermüdlich. Einige waren schon fast versucht, selbst über den Tresen zu hechten, um zu helfen. Doch am Ende hielt jeder sein Essen in den Händen.
Und plötzlich kehrte Ruhe ein. Gesättigt und zufrieden, trotz verspannter Nacken, legten sich alle zurück. Der Rest der Fahrt verlief reibungslos.
So erreichten wir schließlich Sehnde - satt, müde und glücklich.
(Hannah,Svea,Eva)


.jpg)







Kommentare
Kommentar veröffentlichen